Tumoren des Magen- und Darmtraktes,
der Bauchspeicheldrüse und der Leber
Informationstag im Marienhospital Stuttgart am 17.03.2007 --- Referate

Krebs-Behandlung
Seelsorge in der Onkologie - Schwester Dr. phil. Margarita Beitl

Es gibt neben den vielfältigen hochentwickelten Möglichkeiten moderner Medizin und spezi-
eller pflegerischer Hilfe in unserem Krankenhaus auch
die Seelsorge. - Was ist das?

Seelsorge gehört wesentlich zu einer ganzheitlichen Sicht und Hilfe des kranken wie des ge-
sunden Menschen.
Seelsorge ist die Einfühlsamkeit für das Leid der anderen.

Seelsorge geschieht als Begegnung und möchte zur Lebenshilfe werden. - Das ist ein hoher
Anspruch, dabei kommen wir Seelsorgerinnen und Seelsorger mit leeren Händen. Die Ärzte
haben ihr Stethoskop, sie bringen vielleicht eine schmerzlindernde Spritze, die Pflegenden
bringen viel praktische Hilfe.

Wir von der Seelsorge sind Gesprächspartner für alle Kranken im Marienhospital sowie für
ihre Angehörigen, aber auch für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Denn wir Menschen
können einander Hilfe geben und sind in Krisen, Grenzsituationen auf Hilfe angewiesen.

Wir von der Seelsorge arbeiten in einem ökumenischen Team. Z.zt. sind wir: 2 ev. und 4 rk.
Seelsorgerinnen und Seelsorger auf den verschiedenen Stationen tätig. Selbstverständlich
gehen wir auf konfessionelle Unterschiede und Prägungen ein, wenn dies gewünscht wird.
Im Gespräch versuchen wir, den Kranken in ihrer jeweiligen kulturellen und religiösen Eigen-
art offen zu begegnen.

Als ich vor einiger Zeit einen Patienten auf der lntensivstation besuchte, rief dieser mir zu:
„Ich bin weder katholisch noch evangelisch.‘ - „Aber Sie sind ein Mensch“, antwortete ich.
So begann ein intensives Gespräch, das der Patient unbedingt fortsetzen wollte.

„Seelsorge im Krankenhaus möchte dazu verhelfen, dass die Menschen mit ihren Fragen
und Erwartungen, mit ihren Empfindungen und Beziehungen wahrgenommen werden.“

Wir nehmen die Kranken in ihrer momentanen Situation wahr, begleiten sie auch in länger-
dauernden Krisen und versuchen, mit ihnen gemeinsam dem Leben standzuhalten. Das heißt:

• Wir sind da, wenn jemand eine schwere Diagnose innerlich verarbeiten muss. „Was der
Arzt gesagt hat, war brutal!“ Gegenüber Angehörigen zeigen sich die betroffenen Patienten
oft stärker als sie sind: „Wir schaffen das schon.“ In einem neutralen Gespräch kann das
Schwere leichter geäußert werden.

• Wenn Vielleicht nach Jahren ein Rezidiv (Wiederholung) auftritt, kann es hilfreich sein,
über dieses Problem zu sprechen.

• Wenn Patienten es wünschen, dass wir sie während der Chemotherapie oder während
der Bestrahlungstherapie begleiten.

• Wenn immer ein hilfreiches Gespräch gewünscht wird, erforderlich ist.

• Wir freuen uns aber auch von Herzen mit den Patienten, wenn sie sich über hoffnungsvolle
Anzeichen: Eine gute Diagnose und Prognose freuen.

Ich habe eine schöne Aufgabe, immer geht es um die menschliche Nähe, um das Verständ-
nis, um das klärende und helfende Gespräch einfach um
die Einfühlsamkeit für das Leid und die Freude der anderen,
das die Kranken von den Seelsorgern erwarten.
Eine ehemalige an Krebs erkrankte Patientin, die ich bereits vor zehn Jahren begleitet habe,
sagte mir, wie sie Seelsorge erlebt hat: "Es war eine menschliche Unterstützung, es hat mir
Ruhe, Sicherheit, Geborgenheit und Vertrauen gegeben, ich habe mich wohlgefühlt." Das ist
das Anliegen der Seelsorge. - Um dies konkreter auszusprechen, haben wir innerhalb dieses
Info-Tages einen Stand aufgebaut. Dort zeigen wir in Bildern und Symbolen, was Seelsorge
ist. Seelsorge bedeutet z.B.

• Sich Zeit nehmen
Zeit heilt Wunden‚ auch seelische Wunden. - Hilfreich ist dabei das therapeutische Ge-
spräch. - Ruhe und Offenheit ermöglichen ein vertrauensvolles Gespräch.
Wenn jemand uns
teilnehmen lässt an seinem Leben, dann ist das tiefes Vertrauen.
Wir erfahren von den Pati-
enten wie sie leben, was sie leiden, erhoffen und träumen, wie sie mit Schuld umgehen,
denn Leid kann versöhnlich machen.
Die Lebensgeschichte eines Menschen ist immer
Sinngeschichte.

• Einen Weg finden - einen Weg ein Stück mitgehen -
der vielleicht zu einer Entscheidung führt.
Auch einen Weg über das Leben hinaus, einen Weg für die Familie finden. „Helfen Sie mir,
einen Weg zu finden für meine Familie.“

• Gefühle entwirren, wie ein KnäueI Wolle - Gefühlen Raum geben,
s
ich wieder finden, versöhnen. Eine betagte Patientin hatte ein schweres Herzleiden in des
Wortes doppelter Bedeutung. An ihr Sterbebett kommt, nach langen Jahren, der Sohn.
Leid
macht versöhnlich. - Die Beichte zu dritt, die Patientin sprach mit einer Sprechkanüle, hat
allen so viel gegeben.

• Das Dunkel und Schwere mit aushalten
„Alles ist so leer“, sagte eine Patientin kurz vor ihrem Sterben. „Beten Sie für mich, damit
ich wenigstens so ein kleines Licht bekomme,
Ihnen gebe ich mein Leid.“

• Hoffnung wachsen lassen
Ein Patient, dem die Schmerzen genommen wurden: „Man fühlt sich hier so wohl.“ Darauf
meine Überzeugung:
„Vielleicht bleibt das so.“ meinte er abschließend "Ich glaube, dass wir
uns wiedersehen."

Worte finden - Beten - Schmerz kann sprachlos machen.
Er ist ein junger Mann von 27 Jahren und sucht wiederholt das Gespräch. Er ist in Ost-
deutschland
aufgewachsen (atheistisch) und nun wollte er etwas über den Glauben erfahren.
Am letzten Abend schickt er die Mutter weg
zum Abendessen und bat mich ihm eine Ge-
schichte zu
erzählen.
Ich erzähle die Geschichte vom guten Vater, zu dem der Sohn heimkehrt. Er schläft ein.

Seelsorge bedeutet auch, dass wir behutsam die christliche Tradition in Symbolen, Bildern, Texten, Gebeten, Liedern und im Gottesdienst, in Sakramenten einbringen, bei allem behutsam und zur richtigen Zeit denn Seelsorge ist die Einfühlsamkeit für das Leid der Kranken.

Unsere Sozialdienste und psychoonkologische Beratungen durch Frau Bittner und andere sind gute Ansprechpartner für alle Betroffenen und Angehörige.

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