Ab Januar 2004 wird hier wöchentlich die "Aufnahme der Woche"
aus allen Bereichen der Gesellschaft veröffentlicht.
Es soll zum Nachdenken aber auch zum Schmunzeln anregen.

@ufnahme KW 30 / 04

Der helle Wahnsinn ist ausgebrochen.
Das Arbeitslosengeld II wirft seine Schatten voraus. Erst jetzt, nachdem die
ersten "Antragsformulare" vorliegen, wird das ganze Ausmaß der Folgen
für die Betroffenen deutlich.
"Wer nicht zurechtkommt, soll mich anrufen!" Das sagt
Wirtschaftsminister Wolfgang Clemet. Weiter meinte er, den 16-seitigen Fragenkatalog könne
man in einer halben bis Dreiviertelstunde ausfüllen. Wo lebt der Mann?
So würde er nicht reden, wenn sein gesamtes Einkommen, zum Beispiel 345 Euro im Monat
plus "angemessener Wohnung und Heizkosten", von jeder richtig beantworteten Frage
abhängen würde. Bei dem Gehalt des Ministers bzw. seiner Rentenansprüche hat er
sehr gut reden. Das gilt nicht Herr Minister! Der "Erfinder" der Reform, Dr. Peter Hartz,
kennt seinen Reformvorschlag in der tatsächlichen Gestzgebung sowieso nicht wieder.

Zweitausend Angestellte wurden in den letzten Monaten ausgebildet, bei den Antragsformularen
in den Ämtern zuhelfen. Jetzt sollen, so der heutige Stand, Beamte der Telekom, ohne
entsprechende Ausbildung, vom Westen in den Osten mit einer zusätzlichen satten Prämie
von 5000 Euro eingesetzt werden. Eine BA-Sprecherin sagte, man habe "ganz schnell Leute
mit Verwaltungserfahrung gebraucht". Das "Konstrukt der Amtshilfe" habe es mit sich gebracht,
dass Beamte verlangt worden seien. Wer hat diese Hilfe wirklich verlangt? Der thüringische und
sächsische Ministerpräsident haben sich gegen diese Vorgehensweise verwahrt. Ist es nicht so,
daß die Telekom Mitarbeiter "irgendwo" beschäftigt werden müssen, weil sie zur Zeit Bezüge bekommen, ohne Arbeit zu haben?! Diese Vorgehensweise hat in Deutschland Methode.

Über das eigentliche Thema, nämlich der erfolgreichen Vermittlung von Arbeitslosen,
wird im Moment nicht gesprochen. Die Leiterin des Arbeitsamtes Berlin-Mitte meinte
in einer Talk-Show, "wenn die Unternehmen uns aber keine Stellen anbieten,
können wir auch keine Stellen vermitteln." Weiß sie eigentlich was sie da gesagt hat?
Diese Aufgabenstellung war schon immer da. Das bedeutet im Umkehrschluß, wenn die Reform,
wohlgemerkt die Vermittlung, nicht funktioniert, haben wieder einmal "die Anderen" Schuld.
Für diese Erkenntnis hätte man die Reform nicht machen müssen. Oder doch?
Die angestrebten Einsparungen, wenn ünerhaupt, wurden durch
das "Sozialhilfeniveau" der Betroffenen erreicht - wenn noch etwas übrig bleibt!

siehe auch Thema der Woche 30/04

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