Es ist vollbracht – aber schuldig
Michel Friedman tritt von allen öffentlichen Ämtern zurück
Frankfurt (wde) "Ich brauchte Ruhe und Distanz." Das war eine Aussage von Michel Friedman bei seiner Erklärung vor einem „brechend vollen“ Zuhörerraum von Journalisten in der Frankfurter Anwaltskanzlei Jones Day, die unter dem Firmenlogo "Legal Minds Global Intelligence" firmiert. Er bekannte sich schuldig, Kokain benutzt zu haben. Mit der Anerkennung des Strafbefehls über 150 Tagessätzen à 116 EURO, ist Friedman jetzt vorbestraft. „Ich bitte um eine zweite Chance“ war sein Fazit nach seiner sechs Minuten langen Ansprache.
In einer „Lebenskrise“ Drogen zu nehmen sei keine Lösung, meinte Friedman. Diesen Hinweis gab er auch besonders den jungen Menschen mit auf den Weg. Er entschuldigte sich bei der Öffentlichkeit und der jüdischen Gemeinde für sein Vorgehen. „Ganz persönlich und in aller Öffentlichkeit“ entschuldigte er sich auch bei seiner Lebensgefährtin Bärbel Schäfer. Er sprach über Schuld, Sühne und Vergebung. „Menschen machen Fehler – auch ich bin nur ein Mensch“ betonte Friedman. Es gebe auch eine andere Seite von ihm, als die, welche in den letzten Wochen die Öffentlichkeit bewegt haben. Stehend am Pult absolvierte er die wohl schwersten sechs Minuten in seinem bisherigen Leben. Nach seinen Ausführungen blieb er noch zwei Minuten für die Fotografen stehen, die reichlich von dieser Möglichkeit Gebrauch machten.   Fragen wurden nach den Ausführungen nicht zugelassen. Ein sichtlich mitgenommener Mensch verließ die Arena. ____________ Eine zweite Chance wird er bestimmt bekommen. Sein Rücktritt von allen öffentlichen Ämtern war ein kluger Schachzug, die Ämter wären ihm von den entsprechenden Institutionen aberkannt worden. Der eloquente Anwalt und Talkmaster weiß dieses natürlich und hat mit dieser Inszenierung auch die Tür eines zweiten Anlaufs offengehalten. Nichts anderes konnte man von ihm erwarten Ein „Ende mit Schrecken“ war der beste Weg aus der mehr als verfahrenen Tatsache seines Kokainkonsums. Nun wird er, nach einer Schonfrist, wieder in Erscheinung treten. Ob er als Talkmaster, in der alten Form, wieder „stubenrein“ werden kann, ist zu bezweifeln.  
Michel Friedman am 7. Juli 2003 bei seiner Erklärung in der Frankfurter Anwaltskanzlei Jones Day, bekannt unter dem Firmenlogo "Legal Minds Global Intelligence" Foto: dpa

   
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