Fakten, Fakten, Fakten – woher nehmen
Das Dilemma der Medien im Katastrophen- und Kriegsfall
München / Stuttgart (wde) „Nichts ist älter als die Zeitung von gestern“. Dieses alte, aber sehr wahre Wort hat gerade in der Zeit der heutigen Informationsflut mehr denn je an Bedeutung gewonnen. Ein seriöser Journalismus hat es daher oft nicht leicht. Es gilt, aus der Fülle der Angebote die wichtigsten und natürlich die richtigen Informationen zu filtern und dem Leser bzw. Fernsehzuschauer verständlich aufzubereiten. Dazu kommt auch noch die Berücksichtigung der Zielgruppe des jeweiligen Mediums und die damit verbundene meistens subjektive Meinung der Macher. Wie arbeitet ein meinungsbildendes Magazin in extremen Situationen? Wir haben den Chefredakteur von „FOCUS“, Herrn Helmut Markwort, angesprochen mit der Bitte, um eine Auskunft über das schwierige Geschäft mit stündlich sich veränderten Fakten. Gern erwarten wir seine Antwort, die wir dann sofort hier veröffentlichen.
Stuttgart, den 25. Februar 2003 Guten Tag Herr Markwort, mit Ihrem Slogan "Fakten - Fakten - Fakten" haben Sie ein Begriff und Schlagwort in Deutschland geschaffen. Jeder der diese Aussage hört, denkt sofort an Sie und Ihre Mitarbeiter in der FOCUS-Redaktion. __________________ Gute Fakten recherchieren, nicht schaffen, ist die vornehmste Aufgabe eines verantwortungsbe- wussten und guten Journalisten. Wie arbeitet die FOCUS-Redaktion in einem extremen Fall, wie es jetzt z.B. ein neuer Irak-Krieg sein würde? Arbeiten Sie dann "vor Ort" mit eigenen bzw. freien Mitarbeitern Ihrer Redaktion? Wie ist der Kontakt zu ap, dpa, reuters oder cnn? Besteht auch ein Kontakt zu dem   Fernsehsender El Dschasira mit Sitz in Katar? _________________ Ein besonderer Schwerpunkt der Recherche wird auch der persönliche Kontakt der Redakteure zu den einzelnen Regierungen sein, also Informationen und Fakten live aus erster Hand. Ein weiterer Schwerpunkt sind sicher auch die Betroffenen in den entsprechenden Gebieten. Hier kann man "die andere Seite" kennen lernen. ____ Gern würden unsere Leser die Meinung eines "Machers" kennen lernen, der den Kontakt zur Realität nicht verloren hat. Nehmen Sie sich bitte eine kurze Zeit, Danke. Wir wünschen Ihnen, den Redakteuren und den anderen Mitarbeitern auch weiterhin eine unvoreingenommene und glückliche Hand in der  
Das Wochenmagazin „FOCUS“ arbeitet mit engagierten Journa- listen für Fakten Foto: FOCUS _ ____________________________ Auswahl der Informationen im Wettstreit der Medien. Mit freundlichem Gruß wde Redaktion-Medien Walter Diedrich Ebers Stuttgart ___________________ P.S. Diese Anfrage finden Sie auch im Internet unter http://www.erlebniswelt-heute.de/meinungen.html - Medien

28.03.2003 Schade, sehr schade – noch keine Antwort _______ Stuttgart, den 08.04.2003 _____ Der FOCUS Redakteur Christian Liebig ist tot. Der Journalist begleitete als „embedded journalist“ die amerikanische 2. Brigade der 3. Infanteriedivision auf dem Weg nach Bagdad. Dort wurde er Opfer eines Raketenangriffes der Iraker. Wir trauern mit der Familie und den FOCUS Mitarbeitern. _______ „Erschüttert und tief traurig“ _____ Das Nachrichtenmagazin FOCUS hat die traurige Pflicht, den Tod von Christian Liebig zu melden. Unser Redaktionsmitglied starb wenige Kilometer südlich von Bagdad, wo ihn und einen spanischen Kollegen eine irakische Rakete traf.   Wir sind erschüttert und tief traurig. Bis heute früh hatten wir regelmäßig per Telefon und email Kontakt mit ihm. Er war als “embedded journalist“ mit der 3. amerikanischen Infanteriedivision unterwegs und hatte sich am Sonntagabend entschieden, nicht mit anderen Journalisten zusammen ein Kommando ins Zentrum von Bagdad zu begleiten, sondern im Hauptquartier zu bleiben. Dies hielten er und sein spanischer Kollege für weniger riskant. Christian Liebig arbeitete seit 1999 in der Auslandsredaktion von FOCUS. Er starb eine Woche nach seinem 35. Geburtstag. Helmut Markwort, Chefredakteur 07.04.03, 22:31 Uhr  
FOCUS-Redakteur Christian Liebig starb eine Woche nach seinem 35. Geburtstag als „embedded journalist“ – Welch ein Preis für Fakten, Fakten. Foto: FOCUS
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