Polizeigewalt – (k)ein Tabu
Polizeivizepräsident ist unter gewissen Umständen zur Gewalt bereit
Frankfurt/M. (wde) "Das war allein meine Entscheidung", sagt Polizeivizepräsident von Frankfurt am Main, Wolfgang Daschner. Bei dem Verhör des Tatverdächtigen Magnus G. im Entführungsfall Jakob von Metzler in Frankfurt, hatte der Polizeivize dem Teilgeständigen mit Folter gedroht. Unter gewissen Umständen – hier um das Leben eines entführten Kindes zu retten – muss man auch „als letztes Mittel“ Methoden anwenden, die Schaden von Laib und Leben Unschuldiger abzuwenden. Eine „Gefahrenabwehr“ ist erlaubt, aber wo ist die Grenze? Im Juristen-Deutsch gibt es bestimmt eine Formulierung die eine solche Tat rechtfertigt, z.B. würde die Ausübung "unmittelbaren Zwangs" dazu gehören. Wo ist aber die Grenze? Ist der „normale“ Polizeibeamte überhaupt ausgebildet, um eine solche Entscheidung treffen zu können? Aber gerade diese Beamten sind es, die im Zweifel in ihrem Tagesgeschäft „vor Ort“ kurzfristig reagieren müssten.
Es gibt in allen Bereichen des menschlichen Zusammenlebens Pro- und Kontrameinungen. Das ist gut so und unsere Verfassung lässt dieses auch ausdrücklich zu. Was aber passiert, wenn sich Polizeibeamte zu Richtern aufschwingen, bzw. zu einer eigenen Moral verleiten lassen? Diese Antwort auf eine heikle Frage wird in absehbarer Zeit ein Gericht in Frankfurrt/M. treffen müssen. Ausgangspunkt dieses Verfahrens wird die Entführung und Ermordung des Bankierssohnes Jakob von Metzler sein. Der Tatverdächtige hatte ein Teilgeständnis abgelegt aber nicht verraten, wo hin er den Jungen verbracht hatte. Um dieses in Erfahrung zu bringen und das Opfer eventuell noch lebend zu retten, hatte Daschner nicht nur Gewalt androhen lassen, sondern war auch bereit, diese anzuwenden. Das der Polizeibeamte kein leichter Beruf ist sieht man spätestens dann, wenn die Atommülltransporte durch Deutschland fahren. Bei allem   Verständnis der protestierenden Menschen – wer möchte in der Situation ein Polizist sein?! Wer von den jetzt verständlicher weise aufschreienden Juristen und Laienfachleuten möchte in die Situation kommen, in der sich der Polizeivize befunden hat? Es galt ein Menschenleben zu retten. Wenn man z.B. die Bilder der Vergewaltigungsopfer vor sich sieht, kann man sehr wohl auf die Idee kommen, einem tatsächlichen Täter mit Gewalt zu drohen. ___________ Aber wie sieht die andere Seite der Medaille aus, unabhängig davon, dass per Gesetz eine Folter nicht erlaubt ist? Wer entscheidet über den Einsatz solcher Mittel? Zu welchem Zeitpunkt sollte sie – wenn überhaupt - angewendet werden? Was passiert, wenn die Beamten nicht den Täter vor sich haben? Richtig – das Mittelalter lässt grüßen mit allen schlimmen und bekannten Vorkommnissen! Bei allem mensch- lichen Verständnis für Wolfgang Daschner, an diesen Weg sollten wir  
Polizeivizepräsident von Frankfurt am Main Wolfgang Daschner: __ Eine mutige aber umstrittene Entscheidung für ein Menschen- leben. ______________________ Foto: Frankfurter Rundschau ____ nicht denken und schon gar nicht begehen.

   
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