Wem die Stunde schlägt ...
Ein modernes Märchen über Nierensteine, Ärzte und andere Zusammenhänge
Stuttgart (wde) Ein Stoff, aus dem die Märchen stammen - hier aber bittere Realität: „Woher haben Sie eigentlich meine Durchwahl?“ Das war die erste Frage von Dr. Manfred Rother, als er als diensthabender Arzt angerufen wurde. Die Antwort, dass die Telefonvermittlung die Verbindung hergestellt habe, überzeugte den Facharzt aus dem Katharinenhospital in Stuttgart von der Abteilung Urologie nicht besonders, den seine zweite Frage war: „Wissen Sie eigentlich wie spät es ist?“ Der Anrufer wusste sehr wohl wie spät es war, nämlich Samstagmorgen, der 24. August 2002, 5.40 Uhr. Seit über drei Stunden „lief“ er in seiner Wohnung mit Nierenkoliken herum, keine besondere Freude für den Betroffenen. Sie wollen mehr wissen? Lesen Sie weiter!
Es war einmal ein Mensch, nennen wir ihn doch einfach „Koliker“, nicht zu verwechseln mit dem Koleriker, der wachte in der Nacht gegen 2.00 Uhr auf und stellte fest, dass er Nierenkoliken hat. Er konnte die Schmerzen und ihre Ursache gut einschätzen, denn er hatte schon einmal Nierensteine gehabt. So mitten in der Nacht wollte er aber keinen Arzt belästigen, außerdem hoffte er, dass die Koliken nachlassen würden. Das war ein Trugschluss und um 5.30 Uhr griff er zum Telefon, um im Marien- hospital in Stuttgart anzurufen. Dort wurde er schon einmal in einer anderen Sache hervorragend ärztlich und menschlich betreut. Der Notdienst dort reagierte unerwartet, denn eine urologische Abteilung steht dort nicht zur Verfügung. Ihm wurden die beiden Stuttgarter Klein- iken „Katharinenhospital“ und das „Diakonissenkrankenhaus“ benannt.   Also griff unser „Koliker“ erneut zum Telefon, um das Katharinen- hospital anzurufen. Nachdem die Telefonzentrale seine medizinischen Beschwerden aufgenommen hatte, wurde er richtigerweise mit dem diensthabenden Arzt der Urologie verbunden. Dort passierte dem „Koliker“ dann die oben beschriebene Geschichte. Nach solch großem Einfühlungsvermögen des diensthabenden Arztes und dem Hinweis von ihm, wenn er richtige Koliken habe solle er kommen, verabschiedete sich der „Patient“ am Telefon mit der Bemerkung, es gebe auch noch andere Krankenhäuser. ________ Diese Geschichte ist kein Märchen, sondern die reine Wahrheit und tatsächlich wie geschildert, passiert. Fairerweise soll hier festgestellt werden, dass die Reaktion von Dr. Manfred Rother aus dem Kathari- nenhospital in Stuttgart bestimmt  
zu den Ausnahmen und somit den „Randgruppen“ der medizinischen Versorgung gehört. Vielleicht hatte er auch einen „schweren“ Nachtdienst hinter sich. Dem „Koliker“ kann und muss das aber egal sein. __________________ Oft liest man in den Zeitungen den Hinweis: „Die Namen sind von der Redaktion geändert“. Das trifft hier auch zu. Dieses “moderne Märchen“ hat sich aber tatsächlich so abgespielt – leider. Und wenn der Betroffene nicht gestorben ist ... Nein, nein er ist nicht gestorben sondern in das Diakonissen Krankenhaus in Stuttgart gegangen. Dort wurde er, auch morgens um 5.50 Uhr, angehört und sehr kurzfristig mit Erfolg behandelt – geht doch! (siehe auch „Und er bewegt sich doch“ unter „Life is Life“ – „Berufsleben“)

   
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