Menschen im trott – es ist so einfach
Ganz „unter uns“ - Eine Straßenzeitung bekennt sich zu ihren Aufgaben
Stuttgart (wde) Jeder Mensch auf dieser Welt und das ist nicht übertrieben, benutzt „ihn“ täglich. Fast alle Menschen und das ist leider auch die Wahrheit, beachtet „ihn“ gar nicht, weil es in unserer heuti- gen Zeit selbstverständlich geworden ist, dass „er“ unser Leben erleichtert. Es gibt ihn in den unter- schiedlichsten Arten, Ausführungen und Größen. Sie wissen noch nicht wer gemeint ist? Der Franzose nennt es „Trottoir“, der Deutsche sagt „Bürgersteig“ oder „Gehsteig“ dazu. Ganz „unter uns“, nämlich unter unseren Füßen, fristet er sein Dasein. Genau so fühlen sich viele Menschen auf der Welt: Unter uns! Zu Unrecht, denn sie sind Menschen im wahrsten Sinne des Wortes „wie Du und ich“. Um diese gestrandeten Personen, die in den meisten Fällen wohnungslos sind oder in Wohnungen „hausen“, die den Namen nicht verdienen, kümmern sich vermehrt Institutionen und Bürger, die die große Not erkannt haben. Eine Gruppe davon sind die Gründer und Verantwortlichen in Stuttgart mit dem erfolg- reichen Projekt „TROTT-WAR – Die Straßenzeitung im Südwesten“. Hier wird praktische Hilfe geleistet in Wort, Bild und für die Betroffenen.
Die Idee der Straßenzeitung wurde in Deutschland zuerst im Jahr 1993 in München verwirklicht. Bürger in sozialen Schwierigkeiten, kurz „BISS“ genannt, wurde erstmals im Oktober herausgebracht. Ziel war und ist, „Hilfe zur Selbsthilfe“ zu geben. 38000 Zeitungen werden monatlich in München verkauft. In Hamburg folgte man sehr schnell auch im Jahr 1993 nach. „Hinz & Kunzt“ wurde aus der Taufe gehoben. Das heute auflagenstärkste Blatt verkauft 70000 Exemplare im Monat. ____ Diese Erfolge machten Schule, auch in Niedersachsen wollte man helfen. "Hannover ist nicht Hamburg", hieß es, "hier wird sich der Sturmlauf der Hinz & Kunzt nicht wiederholen lassen". 1994 war das Gegenteil der Fall, in Hannover werden heute monatlich 50000 Zeitungen „Asphalt“ angeboten und verkauft. Auch in Kiel hat man mit der Zeitung „Hempels“ eine Auflage von 25000 Exemplaren. In Deutschland gibt es noch ca. 40 weitere Zeitungen, die alle nur das Ziel haben, den Wohnungslosen zu helfen. ______________________ Die Verkäufer der Zeitungen sind alles Betroffene aus diesem Umfeld,   einige sind fest angestellt. Die so oft zitierte „neue Armut“ wird deutlich, wenn man auch einmal „hinter die Kulissen“ schaut. Wesentliche Voraussetzung für den „Ausbruch aus der Armut“ ist eine Arbeitsstelle und eine vernünftige Wohnung. Aber gerade das sind die beiden Bereiche, die am schwierigsten zu realisieren sind. „Soziale Kontakte stellen das Selbstwertgefühl wieder her und holen die Betroffenen aus ihrer Anonymität“, meint Geschäftsführer Uwe Hopf von der Stuttgarter Straßenzeitung „TROTT-WAR“, die monatlich 20000 Zeitungen verkaufen. Die Kontakte „sind eine entscheidende Hürde“, die von beiden Seiten überbrückt werden müsse. Die Wohnungs- und Arbeitssuche mit Qualifizierungs- maßnahmen stehen daher in Stuttgart auch an erster Stelle der Bemühungen. Dazu kommt eine Mitgliedschaft in den Kranken- kassen – für die Wohnungslosen leider keine Selbstverständlichkeit. Der „gelernte“ Sozialarbeiter Hopf kennt in Stuttgart viele Behörden und Firmen, so dass das TROTT-WAR-Team in den letzten Jahren recht erfolgreich arbeiten konnte.  
© TROTT-WAR, Stuttgart ____ _____________________________ Zur Zeit sind zwischen 70 und 80 Verkäufer monatlich auch in den Außenbezirken unterwegs. Die gute Zusammenarbeit mit den Sozialämtern erlaubt es, dass der Verdienst der Aktiven nicht zu sehr bei der Berechnung der Sozialhilfe angerechnet wird. Ein guter Austausch der Aktivitäten besteht auch mit der Esslinger Gruppe „Bürger für Berber“. ___________ Den Namen TROTT-WAR kann man auch ableiten von „hinterher trotten“ und „Krieg“. Diese Einstellungen vieler Menschen gilt es aber zu durchbrechen, sonst sind die Betroffenen weiterhin unter uns, ohne wirklich „unter uns“ zu sein.

   
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