Offener Brief per Email an Herrn Ministerpräsident Volker Bouffier, Wiesbaden
Vorab auch an zusätzlich 19 Verantwortliche ebenfalls per Email

Dramatische Oper in Bad Hersfeld

Die Kompagnie ist bestens aufgestellt - Dramaturgie nicht ausgereift

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident Volker Bouffier,
sehr geehrte Damen und Herren, die auf unterschiedlichsten Ebenen für die
Bad Hersfelder Festspiele und Opern Festspiele Verantwortung tragen.

Die Bad Hersfelder Festspiele, seit nun mehr 65 Jahren ein fester Bestandteil der
deutschen Kulturszene und weit darüber hinaus, haben die derzeitige Diskussion
um die Opernfestspiele nicht verdient. Nicht nur als Außenstehender gewinnt man
den Eindruck, dass alle Beteiligten dabei sind, sich selbst und ihre herausragenden
Leistungen für Bad Hersfeld und das Land Hessen, zu demontieren! Unbenommen
davon, dass die Festspiele in den genialen Mauern der Stiftsruine herrliche Insze-
ierungen mit großen schauspielerischen Leistungen erleben konnten, gehören jetzt
auch die Opernfestspiele zu Bad Hersfeld wie zum Beispiel das Lullusfest. Keiner
der Verantwortlichen, da bin ich sehr sicher, will auf die Opern- und Konzertveran-staltungen verzichten. Aber erst zerstören, dann neu aufbauen, das gilt nicht mehr im Jahr 2015. Auch ein „Königsmacher“ ist hier nicht gefragt, sondern den reich-
lich vorhandenen Sachverstand in den künstlerischen, finanziellen und organisato-
rischen Bereichen im Sinn der Gesamtaufgabe zu bündeln. Gibt es wirklich keinen
kompetenten, „neutralen Kopf“, der alle Beteiligten an einen Tisch holt?! Die „alte
und neue Zeit“ muss dabei gleiche Berechtigung haben und auf Augenhöhe verhan-
deln. Das geht, auch jetzt noch. Weglaufen oder wegducken ist kein Lösungsansatz
für eine gemeinsame Zukunft – falls man dieses Ziel überhaupt anstrebt.
Es ist und bleibt unbestritten, dass Herr Pro-
fessor h.c. Siegfried Heinrich in den verschie-
densten Bereichen und Funktionen die Opern-
festspiele in Bad Hersfeld dahin gebracht hat,
wo sie heute stehen. Dafür und für seine Le-
bensleistung mit der klassischen Musik, ist er
vielfach geehrt und ausgezeichnet worden. Als
künstlerischer Direktor der Bad Hersfelder
Opernfestspiele und der Bad Hersfelder Fest-
spielkonzerte sowie künstlerischer Leiter des
Hersfelder Festspielchores, hat er seine großen
Spuren hinterlassen, die hoffentlich noch
weitergeführt werden können. Auch der Ar-
beitskreis für Musik (AfM) hat seinen heraus-
ragenden Beitrag dazu jahrzehntelang geleistet.
Bad Hersfelder Festspiele 1967
Ewald Balser als König Lear
Inszenierung Prof. Ulrich Erfurth

In seiner Presseerklärung vom 28.07.2015, veröffentlicht u.a. in der HZ, schreibt der AfM,
dass die „Opernfestspiele Wedels Alleinvertretungsanspruch zum Opfer fallen" - das glau-
be ich nicht. Schlagworte werden schnell benutzt, kennt man auch die zu Ende gedachte,
wahre Bedeutung?! Es gibt immer einem Weg, auch jetzt noch.

Wenn in dieser Zeit die Verträge zwischen dem Land, der Stadt, den Förderern und den Machern der Festspiele und Oper auslaufen und neu gemacht werden müssen, sind alle Be-
teiligten gefordert. Ziel kann doch nur sein, die erreichte Qualität zu erhalten und in die Zu-
kunft zu führen. Weglaufen oder „wegducken“, auch vor der eigenen Verantwortung, ist
keine Lösung. Selbstverständlich muss auch sein, dass alle Bereiche integriert werden. Pro-
fessor h.c. Siegfried Heinrich hat doch nicht wirklich in den letzten Jahren gemeint, dass
die Oper allein das Flaggschiff der Stiftsruine ist. Auch er denkt an die Zukunft der gesam-
ten Festspiele, vor allem deswegen, weil er schon seit mehr als 50 Jahren mit in der Verant-
wortung steht. Verantwortung auch für das Orchester, die Chöre und die Mitarbeiter hinter
den Kulissen. Auch der Arbeitskreis für Musik muss an seine Zukunft denken – nach der
Ära Heinrich. Sein musikalisches Wirken in Bad Hersfeld bleibt dadurch völlig unbenom-
en. Kann es sein, dass die Verhandlungsführer, außerhalb der Festspiele, nicht alles „zu
Ende gedacht“ hatten?! Die zu erwartende Diskussion war wirklich vorhersehbar. Ein we-
nig mehr „Fingerspitzengefühl“ ist angebracht. Es geht gerade in Bad Hersfeld zu wie in
der richtigen Oper – Bravo!
Die Festspiele sind nicht der Ort, wo man annehmen könnte, dass gekränkte Eitelkeiten die
Überhand gewinnen dürfen. Die Institutionen und auch der Magistrat der Stadt Bad Hers-
eld müssen sehr weit „über ihren Tellerrand schauen“, um den Festspielen gerecht zu wer-
den. Die Festspielkonzerte, seit 1961 und die Oper, seit 1980, dürfen nicht sterben, auch
nicht ein Jahr pausieren!
Und noch eine Anmerkung von mir: Eine Pressearbeit für die Opernfestspiele im Jahr 2015
fand nicht statt und war gleich Null. Kein einziges Bild und Wort von „Fidelio“ und dem
Bettelstudent“ auf den Internetseiten. Bekannter maßen holen sich die Interessierten in der
heutigen Zeit dort zusätzliche Informationen. Das ist „wirklich peinlich“ und den Festspie-
n nicht angemessen. Es wird hoffentlich keine Absicht gewesen sein. Als Außenstehender
kenne ich nicht alle Details, aber als ich im Jahr 1967 das erste Mal in der Stiftsruine war
und König Lear mit Ewald Balser und Volker Lechtenbrink in WAS IHR WOLLT sah, war ich sehr stolz, in Bad Hersfeld zu leben und zu arbeiten.
Volker Lechtenbrink bei den Bad Hersfelder Festspielen 1967
Haben die offensichtlichen „Kontrahenten“ noch nie etwas von Verhandlungen gehört das
gilt für alle Beteiligten. Mit einer gesunden Diskussionskultur kann hier sehr viel erreicht
werden, das wissen alle. Natürlich gilt das auch für den neuen Intendanten der Festspiele,
Herrn Dr. Dieter Wedel. Sehr erfolgreiche Regie führen in herausragenden Filmen und auf
der Bühne mit Strukturen, die man von Beginn an noch selbst steuern und realisieren kann
ist etwas anderes, als in eine gestandene und gewachsene Kur- und Festspielstadt zu kom-
en. In Bad Hersfeld lebt das richtige Leben in allen gesellschaftlichen Bereichen, nicht im-
mer reibungslos, nicht immer einer Meinung aber immer miteinander für die Stadt. Bad
Hersfeld ist kein Filmset, keine Bühne, keine Spielwiese und schon lange keine Provinz.
Es geht in dieser Auseinandersetzung nicht um Befindlichkeiten, auf welcher Seite auch im-
er. Auch nicht um mögliche Vertragsbestandteile zwischen der Stadt Hersfeld und Herrn
Dr. Wedel. Man kann alles ergänzen und anpassen ohne dass man „sein Gesicht verliert“,
übrigens eine dumme Anmerkung, die leider Raum gegriffen hat. Es geht um die Zukunft
von Bad Hersfeld als Festspielstadt, um die gemeinsame Weiterführung im Sinn für die
gewachsenen Festspiele in 65 Jahren. Es geht auch um die vielen Tausend Besucher die
immer wieder gern die Stiftsruine besuchen.

Stuttgart, 21. August 2015 --- Walter Diedrich Ebers
Internet: www.welt-der-erlebnisse.de ---
Email: wde@wde.de

Fotos: TheBadhersfeldtv

Wilhelm Busch:
"Musik wird stöhrend oft empfunden, weil sie mit Geräusch verbunden."
Trifft hier auch zu!
Siehe auch Thema der Woche 34/15 "Drama in der Stiftsruine"

2004 - 2005 - 2006 - 2007 - 2008 Aufnahmen des Jahres 2009 - 2010 - 2011 - 2012 - 2013 - 2014 - 2015
2004 - 2005 - 2006 - 2007 - 2008 Zu den Themen des Jahres 2009 - 2010 - 2011 - 2012 - 2013 - 2014 - 2015